Lifestyle image of a calm, relaxed child about 10 years old.

Wenn Selbstvertrauen mit Unbehagen einhergeht: Wie Eltern den Unterschied zwischen Unterstützung und Druck erkennen können.

Elternleitfaden

Eltern sprechen viel über Selbstvertrauen, aber weit weniger über Unbehagen. Dabei sind die beiden oft untrennbar miteinander verbunden.

Viele Aktivitäten, die Kindern tatsächlich helfen, Selbstvertrauen aufzubauen, bringen Momente der Frustration, des Widerstands oder des Zweifels mit sich. Die Herausforderung für Eltern besteht darin, zu erkennen, wann dieses Unbehagen Teil einer gesunden Entwicklung ist – und wann es in Druck umschlägt, der das Selbstvertrauen untergräbt.


Ein selbstbewusstes Kind übt eine Bewegung zu Hause

Selbstvertrauen bedeutet nicht die Abwesenheit von Unbehagen.

Man könnte leicht annehmen, dass etwas nicht stimmt, wenn ein Kind unglücklich, verärgert oder widerwillig ist. Doch Selbstvertrauen entwickelt sich selten geradlinig.

Das Erlernen eines Musikstücks, das Meistern einer neuen Bewegung oder das Durchhalten einer Routine beinhalten oft wiederkehrende Momente des „Das ist schwer“. Entscheidend ist, was als Nächstes geschieht.

Oftmals erleben Kinder kurzzeitig Frustration, gefolgt von einem Gefühl der Beherrschung und des Stolzes, sobald die Herausforderung gemeistert ist. Mit der Zeit werden diese Momente zu mentalen Bezugspunkten – zum Beweis, dass Schwierigkeiten nicht gleichbedeutend mit Scheitern sind.

Diese Art von Unbehagen schafft Vertrauen, weil es vorübergehend und erklärbar ist und sich anschließend auflöst.


Notwendige vs. bereichernde Aktivitäten

Eine hilfreiche Unterscheidung, die Eltern oft treffen, ist die zwischen notwendigen und bereichernden Aktivitäten.

Notwendige Aktivitäten – wie Schule, grundlegende Lebenskompetenzen oder sicherheitsorientiertes Lernen – sind unabdingbar. Sie mögen nicht immer Freude bereiten, aber ihr Zweck ist klar und allgemein anerkannt.

Bereichernde Aktivitäten hingegen sind optional. Musikunterricht, Vereine, Sport oder kreative Betätigungen dienen der Ergänzung, nicht der Definition von Erfolg.

Wenn bereichernde Aktivitäten ihren Reiz verlieren, ist es für Eltern oft richtig, die Situation neu zu bewerten. Etwas zu beenden, das nicht mehr passt, ist nicht dasselbe wie aus Schwäche aufzugeben.


Warum Engagement immer noch wichtig ist

Gleichzeitig wächst Selbstvertrauen nicht dadurch, dass man jede Herausforderung beim ersten Anzeichen von Schwierigkeiten aufgibt.

Viele Eltern finden einen Mittelweg, indem sie klare Verpflichtungen mit definierten Endpunkten festlegen. Ein Schulhalbjahr, eine Jahreszeit oder ein bestimmtes Ziel bieten Kindern eine überschaubare Herausforderung: etwas, worauf sie hinarbeiten, was sie erreichen und worüber sie nachdenken können.

Dieser Ansatz vermittelt Anstrengungsbereitschaft, ohne Kinder unter endlosen Druck zu setzen. Er ermöglicht es auch, Stolz auf das Abschließen von Aufgaben zu entwickeln, nicht nur auf den Sieg.


Kind übt, während Eltern aus der Ferne unterstützen

Unannehmlichkeiten, die helfen, im Gegensatz zu Druck, der schadet

Selbstvertrauen entsteht nicht dadurch, dass man Unbehagen vermeidet – es entsteht dadurch, dass man lernt, welches Unbehagen es wert ist, in Kauf genommen zu werden.

Der Unterschied zwischen einer gesunden Herausforderung und einem schädlichen Druck wird oft eher gefühlt als gemessen.

  • Ist das Kind nach der Aktivität stolz, auch wenn sie anstrengend war?
  • Kehren sie freiwillig dorthin zurück, selbst nach anfänglichem Widerstand?
  • Ist Frustration nur von kurzer Dauer oder hält sie an und verstärkt sich?
  • Kann das Kind erklären, was ihm schwerfällt, oder fühlt es sich einfach nur überfordert?

Druck neigt dazu, die Handlungsfähigkeit zu mindern. Konstruktive Herausforderung erhält sie.

Wenn Eltern ihren Kindern helfen, das Schwierige zu benennen – Nervosität, Müdigkeit, Unsicherheit oder einen bestimmten Teil einer Routine – wird die Aktivität oft wieder bewältigbar.


Kind hält inne und konzentriert sich

Selbstvertrauen als Erinnerung, nicht als Stimmung

Einer der am meisten übersehenen Aspekte des Selbstvertrauens ist das Gedächtnis.

Kinder gewinnen Selbstvertrauen nicht dadurch, dass sie sich ständig selbstsicher fühlen, sondern weil sie sich daran erinnern, etwas gemeistert zu haben, das ihnen einst schwergefallen war.

Jeder kleine Erfolg wird zum Beweis. „Ich hatte vorher Schwierigkeiten und habe es geschafft.“ Mit der Zeit sammeln sich diese Erinnerungen an und begleiten sie in neue Situationen.

Deshalb kann ein gewisses Maß an kurzfristigem Unbehagen wertvoll sein – wenn es strukturiert, unterstützt und zeitlich begrenzt ist.


„Ich will nicht“ sorgfältig lesen

Gerade bei jüngeren Kindern bedeutet „Ich will nicht“ selten nur eines.

Es kann Müdigkeit bedeuten. Es kann Unsicherheit bedeuten. Es kann bedeuten, dass man sich eher mit einem bestimmten Teil der Aktivität als mit dem Ganzen unwohl fühlt. Es kann sogar bedeuten, dass sich Erfolg ungewohnt anfühlt.

Wenn man Widerstand als Information und nicht als Ablehnung betrachtet, zeigt sich oft, was angepasst werden muss.


Ein Kind geht glücklich weg, nachdem es eine Aktivität abgeschlossen hat.

Selbstvertrauen sieht bei verschiedenen Kindern unterschiedlich aus.

Manche Kinder blühen in Teamumgebungen auf. Andere fühlen sich in individuellen, vorhersehbaren oder kreativen Umgebungen sicherer.

Selbstvertrauen ist keine Charaktereigenschaft, die man trainieren kann. Es ist vielmehr eine Beziehung zwischen einem Kind, einer Aktivität und der Art und Weise, wie diese Aktivität eingeführt wird.

Wenn alles passt, können sich selbst schwierige Dinge lohnenswert anfühlen. Wenn alles nicht passt, können sich selbst einfache Dinge schwer anfühlen.


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